20130722



Während träge schwirrende Fliegen ihre Schatten auf den staubigen Schotterweg warfen und der Wind Muster in die unter der Sonne flimmernden Kornfelder wehte, kam einem Sommermädchen letzendlich die in entrüstender Langsamkeit schleichende Erkenntnis, Menschen seien Nadeln in einem Heuhaufen. Während sie sich mit vor Ermüdung zittrigem Ringfinger eine verirrte Haarsträhne von der Stirn strich und mit gleichzeitigem Entzücken über diesen schwach umrissenen Gedanken anfing, ihre Schritte zu zählen, die ihrem trocken knirschenden Rhythmus in die heiße Luft schlugen, blickte sie, eingehüllt in die stille Atmosphäre der verlassenen Bergwelt auf den einzig sichtbaren Menschen. Denn auf der gegenüberliegenden Seite des Tals stand, am Fuße eines von dunkelgrünen Kiefernwäldern verdeckten Hügels, die Ursache ihrer Erkenntnis: in seiner kleinen Gestalt einer dunklen Nadel gleichend, die aus dem weiten Feld herausstach. Dem eigenen schnellen Atem lauschend, dünn unter der Erschöpfung und gleißend brennenden Sonne, wusste sie, es gab jene vor Sicherheit trotzenden Menschen, wie Nadeln, unzerbrechlich und feuerfest, spazierten unter ihrem Kosmos eines versinnbildlichten Heuhaufens.
Und noch während sie über den hervorstehenden spitzen Stein auf dem Schotterweg stolperte, ein Stein wie jene, die sich jemandem verbargen, der gedankenversunken daherlief, wusste sie im Fall, dass sie in ihrer geblendeten Verwunderung etwas vergessen hatte: Nadeln sind verletzend.


Kommentare:

Anna Sophie hat gesagt…

Dein Blog ist etwas besonderes. Du hast eine neue Leserin :)

Kai hat gesagt…

Man kann den Heuhaufen ja einfach anzünden. So hab ich das noch nie betrachtet. So findet man die Nadel in Nullkommanix